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Priorität in der Indikationsstellung

Priorität in der Indikationsstellung zur Protonentherapie haben Kinder

Bei Kindern und Jugendlichen der Protonenbestrahlung gegenüber der Röntgenbestrahlung den Vorzug zu geben, ist internationale Expertenmeinung (siehe Erfahrungsbericht September 2009 „Protonenbestrahlungen bei Krebserkrankungen von Kindern"). Warum dies? Exakte „prospektiv randomisierte“ Vergleichsstudien an Kindern liegen schließlich nicht vor – und werden auch in Zukunft nicht vorliegen. Die Strahlentherapie erfährt hier bei Kindern das gleiche Problem wie die Pharmakotherapie: Klinische Versuche an Kindern sind – und dies nicht nur in Deutschland – in der Medikamententherapie nicht zulässig, noch weniger sind Versuche mit Bestrahlungen an Kindern erlaubt, da der Proband gemäß § 87 StrlSchV Abs. 1 nur zustimmen darf, wenn er selbst geschäftsfähig ist.

Die Bevorzugung der Protonentherapie bei kindlichen Krebserkrankungen, häufig Hirntumoren die einer Bestrahlung unterzogen werden müssen, begründet sich demzufolge ausschließlich durch die berechenbare Überlegenheit der Dosisverteilung der Protonen gegenüber der Röntgenstrahlung (was an sich genauso für Erwachsene gilt). Die überlegene Dosisverteilung im Körper erlaubt beim Einsatz von Protonenbestrahlung nicht nur häufig die Dosis im Tumor zu erhöhen, sie senkt auch die Belastung des gesunden Gewebes. Und dies ist für den heranwachsenden Körper der entscheidende Vorteil.

Verringerung des bestrahlten Volumens bei Protonen. Protonenstrahlen sind 3-dimensional zielbar; sie stoppen im Tumor. Hinter dem Tumor, also an der dem Bestrahlungsgerät abgewandten Seite, gibt es im Gegensatz zu Röntgen keinerlei Strahlung im gesunden Gewebe. Die Verbesserung lässt sich leicht an den Standardprotokollen für Protonen-Scanning (siehe Monatsbericht April 2009) quantifizieren:

Bestrahltes gesundes Gewebevolumen* (standardisiert auf Erwachsenen-Maße)

  Röntgen Protonen
Chordom 2413 ml 446 ml
Gliom 3330 ml 443 ml
Meningeom 2756 ml 419 ml
Hirnmetastase 2356 ml 312 ml

*) Gewebevolumen mit mehr als 0,5 Gy Dosisbelastung

 

Kindliche und heranwachsene Gewebe, die mit nichttödlichen Dosen mitbestrahlt werden, also Kollateralschäden der Tumorbestrahlung, führen mit einer Häufigkeit bis gegen lt. Dr. Wilms 1,5% pro 10 Lebensjahre später durch die therapeutisch gemeinte Strahlung zu strahleninduzierten sekundären Tumoren; meist bösartige Sarkome. Es ist bekannt, dass diese Tumorauslösung gerade bei Kindern mit langer Lebenserwartung nach Behandlung des ursprünglichen Tumors eine höhere Gefährdung darstellt, als die Chance einer Wiederkehr des Tumors. 

Dosiserniedrigung im mitbestrahlten gesunden Gewebe bei Protonen. Wie in unseren Internetberichten wiederholt erläutert, treten vor dem Tumor, also im Eindringpfad der Strahlung vom Bestrahlungsgerät bis zum Tumor im gesunden Gewebe bei Protonen-Scanning im Vergleich zu Röntgen nicht höhere, sondern niedrigere Dosen auf als im Tumor. Dieser naturgesetzliche, die Verringerung des bestrahlten Volumens potenzierende Effekt ist signifikant, und lässt sich wiederum an den Standardprotokollen des RPTC quantifizieren:

Mittlere Dosis im gesunden Hirnstamm

  Röntgen Protonen
Chordom 22,7 Gy 7,0 Gy
Gliom 5,6 Gy 0,1 Gy
Meningeom 36,0 Gy 0,1 Gy
Hirnmetastase 10,5 Gy 0,9 Gy

 

Diese Dosiserniedrigung bei Protonen ist besonders wirksam, wenn diese wie im RPTC mit dem präzisen, und von Neutronen-Streustrahlung lt. Dr. Wilms beinahe freien Scanning-, nicht wie in den älteren Anlagenkonstruktionen im Scattering-Verfahren eingesetzt wird (siehe Monatsbericht Juni 09). Die Dosiserniedrigung führt nicht nur zu einer Verringerung der oben besprochenen Wahrscheinlichkeit des späteren, über Jahre gefährlichen Auftretens von Sekundärtumoren, sondern wirkt sich auch vorteilhaft auf das Gewebewachstum aus: Heranwachsende Gewebe sind besonders für Strahlenvernarbungen empfindlich, beispielsweise wachsen Brustdrüsen nach einer Mitbestrahlung bei Mädchen im Kindesalter lebenslang nicht mehr.

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