ERFAHRUNGSBERICHT ACHTER MONAT KLINISCHER BETRIEB RPTC, NOVEMBER ´09
BESTRAHLUNG MIT PROTONEN-SCANNING: WANN UND WARUM? EIN FALLBERICHT
Die Bestrahlung mit Protonen-Scanning ist die weltweit erprobte Form der sogenannten Partikel- oder Ionen-Therapie. Am RPTC, unter Einsatz der Scanning-Methode, bei der der Tumor in einzelnen, bei großen Geschwulsten bis zu 10.000, Zielpunkten vom Strahl abgetastet wird, erreicht sie die höchste Zielpräzision. Der klinische Vorteil gegenüber Röntgen ist die Schonung des umgebenden gesunden Gewebes – und des Allgemeinbefindens des Patienten, da die Dosis im Gesunden um Faktoren wie 3-5 im Vergleich zu Röntgen verringert werden kann. Im RPTC werden daher viele Fälle behandelt, in denen das Protonen-Scanning der Ionen-Therapie die letzte therapeutische Hoffnung ist, um eine Gesundung oder zumindest Beschwerdefreiheit und eine Lebensverlängerung zu erzielen:
Bei einer 65-jährigen Patientin war ein Pleuramesotheliom, ein Tumor in der Lunge operativ entfernt worden. Die Patientin hatte auch eine Chemotherapie erhalten. Diese Kombinationstherapie blieb letztlich erfolglos: Der Tumor rezidivierte. Er bereitete sich in das Mediastinum, die organreiche und hochsensible Zone in der Mitte zwischen den beiden Lungen aus. Das Tumorwachstum, die unvermeidbare Verschlechterung der Lungenfunktion durch die vorhergehende Operation und die Nebenwirkungen der Chemotherapie führten zu unerträglichen Atembeschwerden, die Patientin vermochte allenfalls 20 Schritte zu gehen.
Ein weiterer operativer Eingriff war technisch unmöglich, eine weitere Chemotherapie wurde für aussichtslos gehalten, der „Durchschuss“-Charakter einer Röntgentherapie hätte unvermeidbar die gegenseitige Lunge soweit miterfasst, dass die schon eingeschränkte Sauerstoffversorgung nicht mehr gewährleistet gewesen wäre.
Die Protonen-Scanning-Therapie am RPTC (siehe Bild) bot noch eine Therapiechance: Sie konnte die gesunde rechte Lunge weitgehend schonen und auch restliches gesundes Gewebe in der betroffenen Lunge noch strahlungsfrei halten. Bereits nach acht Behandlungstagen am RPTC kam es zu einer deutlichen Besserung der Atembeschwerden. Die Verlaufskontrolle mittels Computertomographie zeigte schon zum Therapieabschluss am RPTC eine deutliche Volumenverkleinerung des Rezidiv-Tumors (siehe Bild). „Nach Abschluss der Protonentherapie ging die Patientin bis zu zwei Stunden ohne Atemnot spazieren“, erläuterte Ärztliche Direktor des RPTC, Prof. Dr. med. Manfred Herbst.
Dennoch, die Vorteile der Partikel-Ionen-Therapie mit Protonen-Scanning sind nicht nur als letzte Therapiehoffnung einzusetzen. Diese Therapie hat mit Röntgen doch noch eines gemeinsam: je früher im Krankheitsverlauf sie eingesetzt wird, desto wirksamer ist auch sie. Vielleicht wären dieser Patientin manche Leiden erspart geblieben.
ERSTER NACHSORGEBERICHT: LEBENSRETTENDER HEILVERSUCH MIT PROTONEN-SCANNING BEI EINEM REZIDIV EINES GALLENGANGSKARZINOMS NACH OPERATIVER LEBERTEILENTFERNUNG
Im Monatsbericht Mai ´09 haben wir von einem Fall berichtet, bei dem der Patient trotz Chemotherapie an einem Tumorrezidiv, ein Gallengangskarzinom in der Leber, nach Operation litt. Sämtliche andere Behandlungsmöglichkeiten, wie weitere Chemotherapien, oder erneute Operationen oder die konventionelle Bestrahlung verboten sich, da sie technisch undurchführbar waren oder das restliche Lebergewebe nicht geschont und funktionell nicht erhalten hätten. Der Patient hatte seinerzeit unsere Protonentherapie sehr gut vertragen. Fünf Monate nach Abschluss der Protonenbestrahlung wurde im Rahmen einer Nachuntersuchung kernspintomographisch festgestellt, dass der Tumor, wie bei der angewandten Dosierung zu erwarten, eine Rückbildung zeigt (siehe Bild). Entscheidend ist auch: Es sind keine klinisch wirksamen radiogen bedingten Störungen der Leberfunktionen festzustellen, ein Beweis für die extreme Zielpräzision des Protonen-Scannings. Dem Patienten geht es gut.
VERSTÄRKUNG UNSERES ÄRZTETEAMS AM RPTC: PD DR. MED. RAZVAN M. GALALAE
Nach der klinischen Inbetriebnahme unseres zweiten Therapieplatzes und damit der Verdoppelung unserer Behandlungskapazität bauen wir unser Team weiter aus. Wir freuen uns, mit Privatdozent Dr. Galalae einen kompetenten und erfahrenen Fachmann im Bereich der Radioonkologie gewonnen zu haben (siehe Bild).
Herr Razvan Galalae, geb. 1962 in Galati (Rumänien) absolvierte sein Studium der Medizin an der Universität Hamburg. 1992 bekam er dort seine Approbation, 1999 mit Magna cum laude seinen Dr. med.. Die Ausbildung zum Facharzt für Strahlentherapie erhielt er an der Klinik für Strahlentherapie (Radioonkologie) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, an der er von 1992 – 2005 als Assistenz- und dann als Oberarzt tätig war. Dr. Galalae habilitierte sich dort und wurde zum stellvertretenden Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Kiel ernannt. Im Rahmen der Habilitation beschäftigte sich Dr. Galalae mit der Weiterentwicklung bzw. klinischen Etablierung der sogenannten HDR Brachytherapie (Afterloading) beim Prostatakarzinom, er veröffentlichte im Jahre 2002 die ersten Langzeitergebnisse hierüber. Dr. Galalae ist Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie DEGRO sowie Mitglied der Deutschen Krebsgesellschaft, ESTRO bzw. GEC-ESTRO, ASTRO, EORTC – Quality of Life Group und der PTCOG. Bei der IAEA (Internationale Atomenergiebehörde) in Wien wirkte er als Experte für Hochpräzisions-Strahlentherapie.
„Für unseren neuen Kollegen PD Dr. Galalae war es eine logische Weiterentwicklung seiner Berufsziele, sich auf die Protonentherapie zu konzentrieren, nicht zuletzt um diese in den Konsensus der verschiedenen Strahlentherapie-Methoden einzubinden“, kommentiert der Ärztliche Direktor des RPTC, Prof. Dr. med. Manfred Herbst die Einstellung dieses neuen Mitarbeiters als Leiter unserer Strahlentherapie-Abteilung.
